Historie

Orgelbautradition in Liebenwerda seit 1855

Die Tradition des Orgelbauhandwerks in Liebenwerda reicht bis in das Jahr 1855 zurück.

Christian Friedrich Raspe, geboren im Jahre 1822 in Burkersdorf (Thüringen), baute erstmals Orgeln in Liebenwerda. Er verstarb am 18. Januar 1892 in Liebenwerda.

Belegbar ist, dass Raspe zuvor bei Orgelbaumeister Conrad Geißler in Eilenburg im Dienst stand, in dessen Namen und Auftrag er um 1852 an der Orgel der Liebenwerdaer Kirche St. Nikolai gearbeitet hatte.

1855 machte er sich in Liebenwerda selbstständig. Charlotte Voigt unterstützt ihren Sohn leidenschaftlich bei dem Aufbau der Firma. Es wurden neue Gebäude erworben, Werkstätten geschaffen. In der Spitzenzeit beschäftigte Arno Voigt 25 Mitarbeiter.


Orgelbau in Liebenwerda nach 1905

Bis zum Jahr 1914 verließen 37 Orgeln die Werkstatt. Noch während der Kriegszeit konnte Sohn Arno Voigt jun. seine Lehre im Orgelbaubetrieb und trotz schwerer finanzieller Belastungen auch ein Musikstudium am Konservatorium Dresden beginnen. Die beiden Weltkriege bedingten jedoch eine wirtschaftlich und gesundheitlich schwierige Zeit, sodass die Arbeit nahezu zum Erliegen kam.

Mit Tatendrang und -kraft konnten auch die nachfolgenden Generationen in der Nachkriegszeit die Verzahnung des Handwerks mit der Kirchenmusik in der Familiengeschichte weiterführen.

Die Söhne Dieter und Gisbert Voigt erhielten eine Ausbildung zum Orgelbauer sowie Klavier- und Orgelunterricht. Gekrönt wurden die Lebenswege bei Gisbert durch die Abschlüsse zum Tischler- und Orgelbaumeister sowie bei Dieter durch das erfolgreiche Ablegen der Orgelbaumeisterprüfung sowie des A-Examens im Studium der Kirchenmusik.

Gerade die Doppelfunktion zwischen Kirchenmusik und Orgelbau bildete das Fundament für eine künstlerisch-handwerkliche und damit traditionelle Firmengeschichte.


Mitteldeutscher Orgelbau Bad Liebenwerda bis 1995

Beide Söhne Gisbert (li.) und Dieter (re.) übernahmen 1961 die Firma des Vaters. Ein Großteil der Arbeiten waren Restaurierungen denkmalswerter Orgeln.

Ab 1972 fertigte die Firma alle Metallpfeifen für den eigenen Bedarf selbst.

1978 erhielt die Firma den Titel “Anerkannter Kundhandwerker”.

1986 schloss sich die eigenständige Produktion von Lingualstimmen an. Das war eine Ausnahme in der DDR. Auch die Fertigung von Klaviaturen und Tastenauflagen gehören zum Programm der Firma. Dazu kommt, dass nahezu alle Orgelgehäuse einschließlich Schnitzereien in der eigenen Werkstatt gefertigt wurden. Die Fertigungsbreite wurde immer größer.


Mitteldeutscher Orgelbau Bad Liebenwerda bis 1995

Mit der Umwandlung in eine GmbH wurde der Wechsel in die vierte Generation vollzogen.

Markus (Orgelbaumeister, Kirchenmusiker), Matthias (Orgelbaumeister, Restaurator) und Andreas Voigt (Orgelbaumeister) übernahmen die Firma, wobei ganz bewusst in der Leitung die dritte und vierte Generation zusammenwirken. In diese Zeit fällt die Fertigstellung der Voigt-Orgel in Berlin-Charlottenburg III/55. Viele weitere Orgeln wurden restauriert und rekonstruiert.

Auch neue Orgeln entstehen u.a. für Birstein, Finsterwalde, Mittweida und Pirna. Erhebliche Investitionen in die Betriebsausstattung wurden getätigt – vor allem Präzisionsmaschinen.

Unter der Leitung von Dr. Markus Voigt wurden seit 2006 der Umfang der Restaurierungsprojekte und der wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit den historischen Quellen weiter intensiviert. Einen besonderen Stellenwert erhalten innovative Neubauprojekte u.a. das patentierte Verfahren einer Orgel mit selbst regulierender Stimmtonhöhe (2013).


Voigt-Orgeln

Das ist die Gegend, in der Voigt-Orgeln gebaut werden. In einer schönen Landschaft an der Nordgrenze des Kulturzentrums Sachsen entstehen diese königlichen Instrumente – in der Region zwischen der “Bach-” und “Reger-“Stadt Leipzig im Westen, der Kulturstadt Dresden im Süden und der Lutherstadt Wittenberg im Norden: Im Kur- und Heilbad Bad Liebenwerda – hier ist der Ort, in dem der Geist der Vergangenheit zu neuen Ideen und künstlerischer Vielfalt inspiriert.

Als Orgelbauer arbeiten wir heute mit einer über 148-jährigen Tradition in dieser Landschaft. Seit mehreren Generationen sind praktizierende Musiker und Organisten mit langjähriger Ausbildung und Berufserfahrung in der Firmenleitung und geben den Instrumenten ihren eigenen Ausdruck. Umfangreiche Restaurierungsarbeiten an wertvollen historischen Instrumenten gehören seit langem zu unseren Aufgaben. Die Erfahrungen aus dem Umgang und der detailgerechten Rekonstruktion fließen immer wieder bei der Fertigung in die neuen Instrumente ein.

Für uns steht für jede neue Orgel das Gesamtkunstwerk im Vordergrund. Es soll als ein klangliches Erlebnis zum Lobe Gottes und zur Erbauung der Menschen geschaffen werden.

Finsterwalde – Kath. Kirche  II/18mech. Ton- und Registertraktur 2005